Weshalb die Abschaffung des 500 Euro Scheins richtig teuer wird. Weshalb die Abschaffung des 500 Euro Scheins richtig teuer wird.

Die Abschaffung des 500 Euro Scheins ist der Einstieg in die Abschaffung des Bargelds. Die EZB möchte langfristig den Leitzins ins negative Senken um die Wirtschaft in Südeuropa anzukurbeln. Das funktioniert nur, wenn vorher das Bargeld abgeschafft wird. Hier eine kurze Zusammenfassung, was wir dagegen tun können.

Ein 500€ Schein. Wer von uns hat diesen schon einmal in der Hand gehabt? Nicht viele von uns. Auch im Alltag ist es eher umständlich mit einem 500€ Schein zu bezahlen. Wozu brauchen wir den dann noch? Als Rückversicherung.

Die Abschaffung des 500€ Schein ist der Einstieg zum Ausstieg aus dem Bargeld.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit 2009 den Leitzins auf nahe Null gesenkt. Je geringer die Zinsen, desto günstiger kann man sich Geld leihen. Wer sich Geld leiht, macht dies um sich etwas dafür zu kaufen. Damit wird die Wirtschaft um so mehr angekurbelt, je billiger man sich Geld leihen kann. Die Zeche zahlen die Sparer. Sie bekommen keine Zinsen mehr für ihr Erspartes.

Nun sind wir endgültig bei Null angekommen und die Wirtschaft in Südeuropa läuft immer noch nicht gut. Eine weitere Senkung des Leitzinses würde zu negativen Zinsen führen.

Damit wird das Geld, das auf der Bank liegt, seinen Wert verlieren.

Wer den Wert seiner Ersparnisse erhalten möchte, wird diese Bar von der Bank abheben. Sind dies nur ein paar 1000€, lässt sich dies auch mit 200€ und 100€ Scheinen erledigen. Will man jedoch 100.000 € abheben, wird dies richtig umständlich. In 200€ Scheinen wären das 500 Geldscheine. Nutzt man jedoch den 500€ Geldschein sind es nur 200 Scheine. Man spart also rund 60% des Volumens bei Lagerung und Transport ein.

Bei einer Einlage von 1000 € lassen sich auch die negativen Zinsen verschmerzen. Hat man aber 10.000 € auf der Bank liegen, ist ein Zinssatz von -1% pro Jahr schon sehr teuer. Es bedeutet, dass die Bankgebühren für die Einlage von 10.000€ auf 100€ pro Jahr steigen. Ein Bankschließfach bekommt man auf der anderen Seite schon für unter 50€ pro Jahr.

Hebt man sein Geld bar ab und gibt es nicht aus, entzieht man es dem Wirtschaftskreislauf. Banken können es nicht jemand anderem leihen, der es dann wieder nutzt, um etwas zu kaufen.

Quarks & Co hat dies 2009 sehr gut erklärt:

Die EZB kann also die Zinsen nicht ins Negative senken, solange wir unsere Konten plündern können.

Im Kampf um ihre Spareinlagen! Massenandrang der Sparer vor der städtischen Sparkasse in Berlin.

Berlin, Bankenkrach, Andrang bei der Sparkasse 1931 Foto: Georg Pahl CC-BY-SA 3.0

Bei einem Negativzins von -1% pro Jahr lohnt sich so ein Schließfach ab einer Einlage von 5000€. Das Problem: Je größer ein Schließfach ist, desto teurer wird es. Auch ein Tresor Zuhause ist problematisch, weil der Anschaffungspreis für einen sicheren Tresor sehr hoch ist und die Einbruchszahlen gerade deutlich steigen.

Die Abschaffung des 500€ Scheines treibt die Kosten für die Lagerung und den Transport von größeren Mengen Bargeld in die Höhe. Und genau das ist das Ziel der EZB: Sie will einen Bank Run der Sparer so teuer wie möglich machen. Damit wird es möglich, negative Zinsen einzuführen. Der Bürger kann sich davor nur noch mit großem Aufwand mit der Flucht ins Bargeld schützen.

Was jeder von uns tun?

  1. Geh zu Bank und sicher dir ein Schließfach.
    Diese sind jetzt schon schwer zu bekommen. Teilweise gibt es Wartelisten. Ein schließfach ist aber in jedem Fall sinnvoll, z.B. für Kopien von wichtigen Dokumenten, wie Versicherungsunterlagen, Testament, Geburtsurkunde, Abschlusszeugnisse etc. Halt alles, was richtig weh tut, wenn z.B. die Wohnung abbrennt. Oder für eine Festplatte mich den wichtigsten Daten, wie Fotos, usw.
  2. Schreib eine E-Mail an die EZB, dass du den 500€ Schein behalten möchtest. E-Mail-Adresse: info@ecb.europa.eu Es muss kein langer Text sein. Ein Zweizeiler reicht. Wichtig ist, das möglichst viele Menschen sich daran beteiligen.
    Sage ihnen, dass du dein Geld abheben wirst, und es erst wieder einzahlst, wenn sie sich bedingungslos zum Bargeld und zum 500€ Schein bekennen.
    Wenn wir unser Geld von den Banken abheben, ist das das genaue Gegenteil von dem, was die EZB erreichen will. Wir streuen damit Sand ins Getriebe der Geldwirtschaft. Es setzt sie deutlich mehr unter Druck als Petitionen oder gejammer auf Sozialen Netzwerken.
  3. Schreib die Abgeordneten des Finanzausschusses im Bundestag an, dass du den 500€ Schein behalten möchtest. https://www.bundestag.de/bundestag/ausschuesse18/a07/mitglieder/260590
    Auch hier ist weniger mehr. Ein Zweizeiler reicht aus.
  4. Wenn du einen Sicheren Ort für dein Bargeld hast (Sicherer Tresor/Bankschließfach), geh zu deiner Bank, und lasse dir dein erspartes in 500€ Scheinen auszahlen. Du kannst es jeder Zeit wieder einzahlen. Lass dir die Summe und die Seriennummern der ausgezahlten Scheine quittieren. So kannst du z.B. nach einem Bankschließfachraub gegenüber der Versicherung belegen, welche Scheine deine sind.
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Weshalb die Abschaffung des 500 Euro Scheins richtig teuer wird.

6 Kommentare

  • 1
    Ingenieur
    5.05.2016 um 19:46

    Gut geschrieben. Die 2-Zeiler-meils schreibe ich.
    Aber soviel Kohle habe ich gerade nicht. Wenn sich das ändert, mache ich das. 100 Euro für Lontogebühren ist mir zu teuer.
    Mfg, Thomas

  • 2
    Michael
    5.05.2016 um 21:36

    “Abschaffung des Bargeldes” ist “feuchter Drohungstraum” der Schwarzgeldbesitzer und Stuerhinterzieher. Wenn Bargeld – angeblich wg. Negativzins abgeschafft wird zwingt mich niemand, mein Geld nicht in Sfr, Yen, USD, GBP oder Bitcoin zu tauschen. D.h. die einzigen für die “Abschaffung des Bargedes” negative folgen haben wird, sind Schwarzgeldbesitzer, Geldwäscher und Steuerhinterzieher. Für alle anderen illegalen Geschäfte kommt schon heute eher Bitcoin etc zu Einsatz.

  • 3
    Moritz
    5.05.2016 um 23:37

    @Michael

    Und Menschen, die derzeit Schwarzgeld haben, können kein Gold oder andere Sachwerte dafür kaufen?

  • 4
    Ulli Z.
    6.05.2016 um 02:52

    Lieber Michael, wenn Du Dein Geld in Bitcoins tauschen willst, um den Wert aufzubewahren, kannst Du es gleich verbrennen. Sobald man aus der Heimatwährung herausgeht, trägt man Devisenrisiko – bis zum Totalverlust. Auch Gold und Silber schwankt im Wert. Es kann sinnvoll sein, Bargeld in der Heimatwährung an einem sicheren leicht zugänglichen Ort wegzuschließen. Geld auf Konten kann per Knopfdruck gesperrt oder abgewertet werden. Wenn Deine Bank pleite geht war es das, ab ca. 7-8 Mrd. ist auch die Einlagensicherung an ihrem Ende angekommen. 2008 war es bei Instituten wie der Commerzbank und der Dresdner Bank fast so weit, die Hypo Real Estate und Lehman sprangen über die Klinge. In der nächsten Finanzkrise geht es nicht mehr so glimpflich aus. Wer legales Bargeld besitzt, kann zumindest nicht so leicht enteignet werden.
    Die 500-er werden übrigens unbefristet weiter gültig bleiben, es werden ab 2018 nur keine neuen mehr ausgegeben.

  • 5
    Michael
    6.05.2016 um 15:24

    Moritz, Gold hat nicht einmal ein zehntel der Wertdichte eines 500 Euro Scheines. ANders gesprochen: Ein 500 Euroschein wiegt 1,12g Gold im Wert von 500 Euro über 12g. 10 Mio in 500ern kann ich also locker im Rucksack transportieren (ca 22 kg) 10 Mio in Gold hngegen bringen nahezu jeden Klenwagen über sein mögliches Zuladegewicht abzgl. Fahrer.

  • 6
    Michael
    6.05.2016 um 15:52

    Ulli Z, ich kenne für mich das Konzept “Geld aufbewahren” gar nicht. Schon alleine weil es der Willkür sämtlicher Politik unterliegt Geld beliebig durch Inflation zu entwerten. Dafür braucht es keine Negativzinsen. Überleg doch bitte mal, wann Du zuletzt auf ein Sparkonto Zinsen oberhalb der INflationsrate bekommen hast.

    Wenn ich erarbeitete Werte bewahren will, investiere ich in (meist überschaubare genossenschaftliche) Projekte, die mir sinnvoll erscheinen und je nach Werterhaltungszweck kurz-, mittel-, oder langfristig eine sichere Werterhaltung versprechen.

    Bitcoin sind wie Bargeld nur ein Tauschmittel – beides ist nicht geeignet Werte aufzubewahren. Allerdings sind beide geeignet vergleichsweise spurenlos anonyme Transaktionen abzuwickeln. (Die Abschaffung dieser Anonymität und des damit verbundenen Datenschutzes für Verbraucher ist übrigens m.e. der wesentliche und einzig gültige Kritikpunkt an der “Abschaffung des Bargeldes). Für Schwarzgeldbesitzer und Steuerhinterzieher hingegen eignen sich Bitcoin nur bedingt, weil der Wechsel von Buchgeld in Bitcoin und zurück von Bitcoin in Buchgeld sehr wohl nachvollziehbare Spuren z.B. beim Transport von Geld über Ländergrenzen) hinterlässt. Deshalb bevorzugen diese große Mengen Bargeldes. Auch wg. der vergleichsweise hohen Wertdichte des 500 Euro-Scheines (ca 1/12 des Gewichtes von Gold z.B.)

    Jegliches Bargeld ist nichts weiter als eine Inhaberschuldverschreibung einer Zentralbank. Alle Zentralbanken werten diese Inhaberschuldverschreibungen konstant ab, indem sie die Geldmenge erhöhen ohne dass sich dadurch repräsentierte Werte gleichzeitig vermehren würden. Das gilt zumindest seit der Aufkündigung der Dollar-Gold-Bindung am 15.8.71 durch Nixon und das Folgerichtige Ende des Beretton-Woods-Systems.

    Jeder, der für sich Werte erschafft und erhalten will geht ein Marktrisiko ein. Bleibst Du bei Eurobargeld wird es die Abwertung des Euro-Bargeldes durch willkürlich von Regierungen herbeigeführte Inflation sein. Investiere ich in eine Wohnungsbaugenossenschaft spekuliere ich darauf, dass Mieten stärker steigen als der Wert meines Wohnrechtes. Investiere ich in Genossenschaften zur Erzeugung regenerativer Energien spekuliere ich auf steigende Energiepreise durch z.B. die Abschaffung umweltschädlicher Energien wie Kohle, Gas und Kernenergie. usw.usf. Wenn Du Werte tatsächlich verbrennen willst investiere in Bargeld und frag Verwandte, die die 20ger Jahre des letzten Jahrhunderts erlebten wie schnell Inflation ggf. innerhalb eines Tages ein BAR-Vermögen auf den Wert eines Milchbrötchens reduzierte.

    Die einzige Kritik w.o. gesagt, die ich an einer möglichen Abschaffung des Bargeldes akzeptiere ist die, dass Verbraucher bei Bäcker, Metztger oder Gemüsehändler am Markt nicht mehr annonym Verbrauchsgüter gegen Geld tauschen können. Datenschutzproblematik also. Andererseits wenn ich sehe, wie die überwiegende Mehrzahl der Leute im Supermarkt heute sorglos mit Plastikgeld hantiert, sehe ich mich mit meiner diesbezüglichen Sorge in einer verschwindenden Minderheit.